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Wissenschaftler und Bürger diskutieren Zukunft der Arbeit

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Wer digital arbeitet, benötigt kaum noch einen festen Arbeitsplatz. Digitale Nomaden verbringen ihre Zeit weltweit an unterschiedlichen Orten, um ihre Aufgaben gleich von dort zu erledigen. Ob es sich hierbei um einen zukunftsweisenden Trend oder lediglich um eine Gruppe experimentierfreudiger Jungunternehmer handelt, diskutierten nun die Teilnehmer der Futurale.

Unter dem Titel Arbeiten 4.0 gastierte das Dokumentarfilmfestival des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in der Woche vom 1. bis zum 7. September im Odeon-Apollo-Kinocenter in Koblenz. Im Rahmen des Festivals boten sieben Dokumentarfilme Einblick in die gegenwärtigen Veränderungen der Arbeitswelt wie sie sich anhand der sozialen Medien, der Revolution industrieller Fertigungstechniken durch den 3D-Druck sowie der digitalen Transformation der Gesellschaft zeigen. Mehr als 300 Bürgerinnen und Bürger aus der Region beteiligten sich anschließend an die Filmvorstellungen an den Gesprächen mit den Expertinnen und Experten der Region.

Neben dem Bundesverband für mittelständische Wirtschaft, dem Jobcenter Mayen-Koblenz, der IHK Koblenz, der Handwerkskammer Koblenz und dem Caritasverband Koblenz waren insbesondere vier Koblenzer Hochschulen an den Bürgerdialogen beteiligt. Professorinnen und Professoren aus Kulturwissenschaft, Ingenieurswissenschaften, Psychologie, Web Science, Pflege, Management und Unternehmensgründung stellten sich den Fragen zu einer zukünftigen Arbeitswelt. Einerseits faszinierten hierbei die mit den technologischen Möglichkeiten verbundenen Innovationen, andererseits standen in den Diskussionen vielfach auch die gesellschaftlichen Folgen im Vordergrund.

Dokumentationen zu Youtube und 3D-Druck

So zeigte sich, dass durch Plattformen wie YouTube inzwischen nahezu jeder sein eigenes Publikum kreieren kann. Die hochgradig personalisierten Angebote lassen jedoch allenfalls kleine Öffentlichkeiten entstehen, die sich teils schon nach kurzer Zeit wieder auflösen. Kritisch hinterfragte daher Prof. Dr. Michael Klemm, Medienwissenschaftler an der Universität, wie angesichts der Vervielfältigung und der Spezialisierung der Medienangebote künftig überhaupt ein noch ein gesellschaftlicher Konsens bezüglich großer Themen möglich sei und wie politische Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden können.

Prof. Dr. Manfred Wincheringer und Prof. Dr. Thomas Schnick, beide Hochschule Koblenz, stellten mit Bezug auf den Film „Print the Legend“ dar, wie sich Produktionsabläufe in Unternehmen durch 3D-Druck-Verfahren beschleunigen. Benötigte man vor Kurzem noch mehrere Wochen, um einen Prototypen herstellen zu können, so ist es mittels 3D-Druck inzwischen möglich, Prototypen innerhalb eines Tages zu fertigen. Die neuen Herstellungsverfahren ermöglichen auch neue Geometrien, die sich an Konstruktionen in der Natur orientieren und die teils enorme Gewichtseinsparungen mit sich bringen. Derzeit werden solche Entwicklungen etwa schon im Flugzeugbau realisiert. An der Hochschule Koblenz selbst werden solche neuen Verfahren bereits an sechs unterschiedlichen 3D-Druckern erprobt.

In Zukunft: Pflegeroboter und befreite Unternehmen?

Kritisch diskutiert wurde im Rahmen der Bürgerdialoge auch, welche Aufgaben Pflegeroboter künftig in der Pflege übernehmen können. Angesichts einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft stand zur Diskussion, ob die Strategie, anstehende Herausforderungen vornehmlich durch Technik lösen zu wollen, den Anforderungen an Menschlichkeit und soziale Nähe gerecht wird. Festzustellen sei etwa die Tendenz, so Prof. Dr. Manfred Hülsken-Giesler von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, dass alternative Angebote zur Unterstützung pflegebedürftiger Menschen auch dazu führen, dass die soziale Verantwortung ein Stück weit zurück gehe. Die Digitalisierung in der Pflege wirft Fragen danach auf, wie Körperlichkeit und Intimität angemessen thematisiert und geschützt werden können und ob technische Systeme gegen sorgende Gemeinschaften ausgespielt werden dürfen.

Die Diskussionen zur Zukunft der Arbeit fanden ihr Zuspitzung, wenn in den Filmen zu sehen war, wie Unternehmer die Führung ihres Unternehmens in die Hände der Mitarbeiter legten. Solche “befreiten Unternehmen” sahen sich vor der Herausforderung, neue Organisationsformen zu entwickeln, die auf kollektiven Prozessen basieren. Die Gemeinschaft der Mitarbeiter sah sich daher immer wieder gefordert, gemeinsam nach neuen Lösungen z.B. für Produktionsprozesse zu suchen und hinsichtlich ihrer Entscheidungen auch einen Konsens zu finden. Dem entgegen schienen viele junge Unternehmerinnen oftmals auf sich alleine gestellt, wenn sie ihre Ideen und Konzepte bei Geldgebern vorstellten. Prof. Dr. Christoph Hienerth (WHU) und Prof. Dr. Harald von Korflesch (Universität) diskutierten mit dem Publikum, wann der richtige Zeitpunkt für einen ‘proof of concept’ bei einer Neugründung sei. Die Filme boten hier Einblick in die Mühen und Anstrengungen, die Gründer auf sich nehmen, um einen Markt für ihre Produkte zu finden – bis sich eines Tages dann der Erfolg einstellt.

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