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Neuere Krebsmedikamente – Chancen und Probleme

Proteinkinase-Inhibitoren gelten seit der Jahrtausendwende als Hoffnung, Krebserkrankungen zu besiegen. Sie sind Arzneimittel, die die Funktion von Kinasen hemmen. Diese Enzyme sind bei der Entstehung, der Aufrechterhaltung und der Ausbreitung von Krebserkrankungen im Körper beteiligt. Die kinasehemmenden Wirkstoffe werden zur Behandlung verschiedener Krebsarten eingesetzt. Sie greifen gezielt in die auslösenden Prozesse ein und sind daher besser verträglich als traditionelle Zytostatika.

Prof. Dr. Stefan Laufer, Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, stellte in seinem öffentlichen Vortrag an der Universität in Koblenz am 03. Juni 2016 die Chancen und Probleme der Proteinkinase-Inhibitoren aus pharmazeutisch-chemischer Sicht dar.

Die Erfolgsgeschichte dieser Medikamentengruppe sei sowohl wissenschaftlich als auch kommerziell beispiellos. 2001 wurde der erste Vertreter dieser Wirkstoffklasse zugelassen. Heute sind bereits 33 Proteinkinase-Inhibitoren auf dem Markt. Im Jahr 2015 wurden damit weltweit etwa 20 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Etwa 400 Proteinkinase-Hemmer befinden sich derzeit in der klinischen Entwicklung.

Profitieren können von einer Behandlung mit diesen Medikamenten insbesondere Patienten mit chronisch-myeloischer Leukämie. Sie können mit einer erheblichen Lebenszeitverlängerung bei hoher Lebensqualität rechnen, da hier nur eine Kinase nicht richtig arbeitet und diese leicht medikamentös zu hemmen ist.

Hingegen erwies sich die Behandlung bei nur 10 bis 20 Prozent der Lungen- und Darmkrebserkrankten als erfolgreich, im Schnitt betrug die Lebenszeitverlängerung nur wenige Monate. Auch der schwarze Hautkrebs ist durch Proteinkinase-Hemmer ohne genetische Information kaum zu bekämpfen. Bei all diesen Tumorarten liegen zu viele Genmutationen vor, die die Wirksamkeit der Medikamente – ähnlich der Resistenzen gegen Antibiotika – nach kurzer Zeit aufheben.

Insgesamt wirken bei Krebs nur 25 Prozent aller eingesetzten Therapien aufgrund solcher Genmutationen. Daher muss laut Laufer an personifizierten Therapien gearbeitet werden, mit denen den Genmutationen, individuell auf den Patienten abgestimmt, wirksam entgegengetreten werden kann. An der Entwicklung entsprechender zusätzlicher Kinasehemmer forscht Laufer mit seiner Arbeitsgruppe an der Universität Tübingen.

Der Vortrag fand im Rahmen des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultätentags (MNFT) an der Universität in Koblenz statt. Dieser bildet die Vertretung aller mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten und Fachbereiche mit den Fächern Biologie, Chemie, Geowissenschaften, Mathematik, Physik und Pharmazie an staatlichen deutschen Universitäten. Der MNFT ging 1968 als eigenständiger Fakultätentag aus dem 1950 gegründeten Fakultätentag der Philosophischen und Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultäten hervor; ihm gehören aktuell Fakultäten und Fachbereiche aus über 40 Universitäten an.

Über den Referenten

Prof. Dr. Stefan Laufer besetzt den Lehrstuhl Pharmazeutische Chemie im Fachbereich Pharmazie&Biochemie der Universität Tübingen. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Proteinkinase-Inhibitoren und Eicosanoid-Modulatoren für die Anwendungsgebiete Entzündung, Autoimmunität und Krebs. Entwicklungen aus seinem Labor haben bereits mehrfach zur Erstanwendung am Menschen geführt. Seit 2016 ist er Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG).

 Dr. Birgit Förg, Universität Koblenz-Landau

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